Zur Zukunft des Projekts Fernwärmeschiene Rhein-Ruhr

Ursprüngliche Idee der Fernwärmeschiene Rhein-Ruhr (FWSRR) war die Schaffung eines großen Fernwärmeverbundnetzes im Ruhrgebiet zur umweltfreundlichen und preisstabilen Wärmeversorgung. Dazu sollte eine rund 25 Kilometer lange Versorgungsleitung von der bestehenden Fernwärmeschiene Ruhr im Süden Bottrops bis zur Fernwärmeschiene Niederrhein im Duisburger Norden errichtet werden.

Mittels dieser neuen Trasse war geplant, bereits bestehende sowie zusätzlich zu erschließende, klimaschonende Wärmequellen für die Versorgung von Kunden mit umweltfreundlicher Fernwärme in der gesamten Region verfügbar zu machen.

Anteilseigner der FWSRR-Projektgesellschaft sind die STEAG Fernwärme GmbH mit einem Anteil von 56,6 Prozent, die Fernwärmeversorgung Niederrhein GmbH (25,1 Prozent) und die Energieversorgung Oberhausen AG (18,3 Prozent).


Grundlegend veränderte Rahmenbedingungen

Seit ersten Vorstudien für das Projekt in 2013 sowie der Gründung der Projektgesellschaft im März 2015 haben sich die energiewirtschaftlichen und umweltpolitischen Rahmenbedingungen jedoch grundlegend und anhaltend verändert. So wurden zunehmend die Maßnahmen für die geplante Energiewende in Deutschland konkretisiert. Dazu gehörte u.a. auch der Beschluss zum Kohleausstieg 2020 und das Gesetz zur Klimaneutralität 2021.

Mit der infolgedessen erfolgten Stilllegung des Steinkohle-Kraftwerksblocks Walsum 9 von STEAG entfiel zugleich die Hauptwärmequelle am westlichen Ende der geplanten FWSRR. Zugleich zeigte sich ein ums andere Mal, dass die Berücksichtigung aller Schutzgüter wie Menschen, Tiere und Pflanzen, Wasser, Boden, Luft/Klima und Landschaft sowie die Restriktionen durch bereits vorhanden Infrastrukturen in der dicht besiedelten Region nicht unerheblichen Einfluss auf die Planungen hatte. In deren Folge führten Ausweich- und Kompensationsmaßnahmen zu einem erheblichen Kostenanstieg des Projekts.


Alternativen dringend gebraucht

Während der aufwändigen und langwierigen Planungs- und Genehmigungsphase des Projektes mussten die beteiligten Projektpartner zur Sicherstellung der Wärmeversorgung ihrer Kunden angesichts der energiewirtschaftlichen Umbrüche zwischenzeitlich zusätzliche Wärmequellen auf lokaler Ebene erschließen.

Dabei wurde besonderer Wert auf moderne, CO2-freie bzw. CO2-arme Alternativen gelegt. Denn für den erfolgreichen Transformationsprozess von einer bislang auf Kohle und mittelfristig auf Erdgas basierenden Energieversorgung hin zu einer klimaneutralen Energielösung ist zunehmend der langfristig angelegte klimafreundliche Ausbau von Nah- und Fernwärme auf der lokalen Ebene wesentlich.


Maßnahmen von STEAG

So hat STEAG Fernwärme im Jahr 2019 das Abfallheizkraftwerk RZR Herten an die bereits bestehende Fernwärmeschiene Ruhr angebunden. Ferner baut STEAG derzeit gemeinsam mit Siemens eine hocheffiziente GuD-Anlage am STEAG-Kraftwerksstandort Herne, die Mitte 2022 den bisher mit Steinkohle betriebenen Kraftwerksblock Herne 4 ersetzen wird. STEAG Fernwärme wird parallel hierzu die Heizwerke Essen-Rüttenscheid und Essen-Nord von Kohle bzw. Heizöl auf Gas umrüsten. Durch den Bau von zwei Wärmespeichern in Gelsenkirchen und Essen soll die Erzeugung von Wärme aus hocheffizienten KWK-Prozessen gefördert und gleichzeitig die Kopplung des Strommarktes mit der Wärmeversorgung gestärkt werden.

Alle genannten Maßnahmen führen zu einer erheblichen Reduzierung der Treibhausgasemissionen im Zusammenhang mit der Wärmeversorgung der STEAG Fernwärme. Zudem befinden sich weitere Nah- und Fernwärmeprojekte an Rhein und Ruhr zur Einbindung von industrieller Abwärme und Erneuerbaren Energien in Prüfung.


Maßnahmen Fernwärmeversorgung Niederrhein

Die Fernwärmeversorgung Niederrhein (FN) wird künftig einen großen Anteil der bisher aus dem Kohleheizkraftwerk Walsum 9 bezogenen Wärme aus dem neu gebauten Dinslakener Holz-Energiezentrum (DHE) beziehen. Darüber hinaus hat FN in ihren Versorgungsgebieten am Niederrhein in Voerde und Dinslaken weitere BHKW-Anlagen auf Erdgasbasis errichtet und das bestehende Biomethan-BHKW in Lohberg durch ein Biomethan-Flex-BHKW ergänzt. Zur Deckung von Spitzen- und Reservelasten befinden sich derzeit weitere Gaskesselanalgen in Duisburg, in Moers und in Voerde im Bau. Mit den genannten Maßnahmen und dem anstehenden Projekt zur Erschließung weiterer industrieller Abwärme aus der Stahlindustrie wird die Fernwärmeversorgung Niederrhein ihre Kunden und Weiterverteiler am Niederrhein ab 2025 nahezu CO2-frei versorgen können.


Maßnahmen Energieversorgung Oberhausen

Auch die Energieversorgung Oberhausen AG (evo) hat in Oberhausen zwei neue, moderne KWK-Anlagen auf Basis von Erdgas errichtet. Darüber hinaus denkt man hier über die Erweiterung der industriellen Abwärmenutzung sowie stärkere Ausbindung von Wärme aus der Oberhausener Müllverbrennungsanlage (GMVA) nach, um auch in Oberhausen langfristig eine nahezu CO2-freie Wärmeversorgung sicherzustellen.

Eine Simulation der Fernwärmeschiene Rhein-Ruhr in Bezug auf weitere CO2-Einsparungen unter Berücksichtigung der auf lokaler Ebene bereits entwickelten und realisierten neuen Wärmequellen zeigte am Ende keine weiteren Einsparpotenziale gegenüber der ursprünglichen erwarteten CO2-Emissionsreduzierung beim Bau der FWSRR in ihrer ursprünglichen Planung. Vielmehr zeigte die Simulation, dass die

künftige Auslastung der FWSRR nicht nur sehr gering wäre, sondern diese über weite Teile des Jahres faktisch unbeschäftigt wäre.


FWSRR-Planungen werden nicht weiterverfolgt

Deshalb sind die Projektpartner nach eingehenden und intensiven Beratungen übereingekommen, dieses Projekt trotz der bereits erheblichen aufgewendeten eigenen Mittel sowie der von Beginn an starken Flankierung durch das Land NRW nicht mehr weiter zu verfolgen, sondern dezentrale Strukturen für eine langfristig umweltfreundliche und sichere Versorgung der Kunden zu schaffen und damit den Transformationsprozess von einer auf Kohle und Erdgas basierenden Energieversorgung hin zu einer klimaneutralen Fernwärme zu unterstützen. Dadurch wird auch der erhebliche Ressourcenaufwand durch dieses Großprojekt vermieden, der aufgrund des sehr geringen Zusatznutzens vor dem Hintergrund der umweltfreundlichen Weiterentwicklung der Wärmequellen der Projektpartner nicht mehr zu rechtfertigen wäre.


Partner setzten auf kleinräumige Lösungen

Bei den beteiligten Unternehmen in Essen, Dinslaken und Oberhausen werden auch in Zukunft in enger Abstimmung die Planungen für eine sichere und weitgehend CO2- freie Fernwärmeversorgung zur Erreichung der Klimaziele weitergehen. So werden z.B. auch weiterhin die Möglichkeiten für eine Nutzung der Geothermie oder die Einbindung weiterer Abwärmequellen untersucht. Solche Projekte sind von den beteiligten Fernwärmeunternehmen im Ruhrgebiet allerdings aufgrund fehlender Wirtschaftlichkeit nur selten aus eigener Kraft umsetzbar. Die Anteilseigner der FWSRR werden deshalb in enger Abstimmung mit dem Land NRW Möglichkeiten zum weiteren Ausbau der Fernwärmeversorgung im Ruhrgebiet und am Niederrhein prüfen.

Mit dem Verzicht auf den Bau der FWSRR in der ursprünglich geplanten Form können die weiterhin unstreitig vorhandenen Vorteile der Fernwärme gegenüber anderen Heizlösungen in Zukunft noch stärker genutzt und die mit dem Bau der FWSRR intendierten Umwelteffekte übertroffen werden. Hierfür ist es aus heutiger Sicht allerdings sinnvoll, die für die Realisierung der FWSRR vorgesehenen Ressourcen für andere Projekte auf lokaler Ebene einzusetzen.

Insgesamt zeigt sich, dass das Fernwärmevorhaben FWSRR in der Zusammenarbeit verschiedener Versorgungsunternehmen mit den betroffenen Kommunen und dem Land als ein Wegbereiter zum Ausbau und zur Modernisierung von klimafreundlichen Wärmenetzen in der Ruhrregion beigetragen hat.


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